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Hier und Heute [18.06.2010] Erwin Schöpges sorgt für aufsehenerregende Aktion / »Neue, europaweite Maßnahmen der Milchbauern im Juli« Der Stiefelwerfer vom TömmelhofVon Christian Schmitz Der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow war einst für seine temperamentvollen Ausbrüche bekannt. Legendär wurde sein Auftritt bei der UN-Vollversammlung vom September 1960 in New York, bei der er mit seinem Schuh auf den Tisch schlug, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen. 48 Jahre später wurde der »Schuhwerfer von Bagdad« weltberühmt: Der Journalist Muntather al Zaidi wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er im Dezember 2008 den damaligen US-Präsidenten George W. Bush auf einer Pressekonferenz mit einem Schuh beworfen hatte. Keine Konsequenzen erwartet dagegen der Ameler Erwin Schöpges. Am Mittwoch machte ein Auftritt des ostbelgischen Landwirts im Internet die Runde. Bei einem Treffen zwischen Vertretern des europäischen Milchviehhalterverbandes (European Milk Board, EMB) mit Vertretern der EU-Kommission schmiss Schöpges zwei Stiefel auf den Tisch der Gesprächspartner, um auf die Unzufriedenheit der europäischen Milchbauern hinzuweisen. Die Aktion war am Mittwoch auch in den Nachrichten des TV-Senders RTBF zu bestaunen und wurde am Abend von BRF-TV übernommen. Schöpges ist Vorsitzender der Milcherzeuger-Interessengemeinschaft (MIG), des belgischen EMB-Ablegers. »Ich finde nicht, dass ich damit zu weit gegangen bin. Die Politiker machen sich immer noch lustig über die Bauern. Deshalb wollte ich ein starkes Zeichen setzen und habe mit dem Stiefelwurf signalisiert, dass die Politiker selbst die Kühe melken sollen«, meinte Schöpges, der in Amel den Tömmelhof betreibt, auf Anfrage gegenüber dem Grenz-Echo. Für den Monat Juli kündigte er europaweit wieder Aktionen der Milchbauern an. Hintergrund ist der Bericht einer hochrangigen Expertengruppe der EU-Kommission, die im Oktober 2009 im Gefolge der letztjährigen Krise des Milchsektors eingesetzt wurde. Sieben Empfehlungen für den EU-Milchsektor wurden dabei ausgearbeitet. Unter anderem werden dabei Vertragsbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien gefordert. Ein vollkommen falsches Signal, meinten Schöpges und der EMB. »Damit können wir einfach nicht zufrieden sein.« Die verschiedenen Vorschläge der Expertengruppe leisteten keinen Beitrag zur katastrophalen Situation am Milchmarkt. »Verträge können auch jetzt schon geschlossen werden. Nur verhindert die schwache Marktmacht der Erzeuger, dass jene fair für sie ausfallen. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, solange die Marktmacht der Produzenten nicht wirksam gestärkt wird. Dazu ist es unerlässlich, den Milcherzeugern mit einem geeigneten System die Möglichkeit zu geben, die Produktion gemeinsam an die Nachfrage nach Milch anzupassen«, meinte EMB-Präsident Romuald Schaber. Der Verband fordert aus diesem Grund die Schaffung einer Monitoring- und Marktgestaltungsstelle auf EU-Ebene. Lediglich vereinzelte Punkte in dem Bericht seien positiv zu bewerten: die Stärkung der rechtlichen Basis für Erzeugerorganisationen, um stärker gegenüber den Molkereien auftreten zu können, und die Verbesserung der Kennzeichnung von Milchprodukten. Um einen Kommentar schreiben zu können müssen Sie angemeldet sein. |
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